Gestatten, der Club der Visionär*innen

Gestatten, der Club der Visionär*innen | aufebenholz.de
Visionen haben – eine Frage des Alters?

Mit Mitte zwanzig ist es so weit: Das Alter bekommt eine neue Relevanz. Man hat sich an viele Meilensteine des Erwachsenenlebens gewöhnt (Ausbildung, internationale Volljährigkeit, Job, Wohnung, eigener Haushalt, Wahlen, etc.) und befindet sich in dieser seltsamen Phase zwischen „noch halb im Studium“ und „alle um einen herum verloben sich und kriegen dazu Kinder, Doktortitel oder gar beides“. Dabei genießt man vielleicht die zuweilen offenen, frei planbaren Monate voller Möglichkeiten und macht sich innerlich einen Spaß daraus, wenn der Mensch an der Clubtür unsicher ist, ob nach dem Ausweis gefragt werden sollte oder man schon als volljährig durchgeht.

Doch „jung“ zu sein bringt in so mancher Situation ein unschönes Phänomen mit sich: Nicht ernst genommen zu werden. Und das ist wirklich unschön. Vor allem, wenn man Ideen teilen und diskutieren möchte.

Auf Anfang

Kürzlich stieß ich durch Facebook-Werbung auf einen Blogpost, der mich unzufrieden stimmte. Wenn mich ein Artikel unzufrieden stimmen kann – so unzufrieden, dass ich mit meinem Umfeld darüber diskutieren will, um mir Luft zu machen – dann hat er mich ja definitiv… nun ja, sagen wir mal „berührt“. Inhaltlich war an diesem Blogpost nicht viel zu diskutieren, zumindest nicht auf den ersten Blick: Eine Bloggerin hatte das Z2X17, das Festival der Zeit, besucht und über ihre Erfahrungen und Eindrücke dort berichtet. Das Z2X17 selbst nennt sich „Festival der neuen Visionäre“ und diskutierte mit Menschen in ihren Zwanzigern am ersten Septemberwochenende Zukunftsszenarien jeglicher Couleur. Es war also klar: Hier würde geträumt und geplant, hier sollte groß gedacht werden!

„Die Welt verändern? Träumt weiter, ihr Greenhorns…“

… genau das war die Einstellung, die der Artikel vermittelte – und gleichzeitig ist es eine Einstellung, mit welcher ich mich selbst schon so häufig konfrontiert fand. Schon als Kind macht man ja hin und wieder die Erfahrung, nicht ernst genommen zu werden. In meinem persönlichen Umfeld ist mir das so gut wie nie passiert. Mit Beginn meines Engagements für Kinder in Indien jedoch, gehörte dieses „belächelt werden“ mehr und mehr zu einer wiederkehrenden Erfahrung, ja zu einer Art Dauerzustand, wann immer ich über die Visionen sprach, die unsere Jugendgruppe vor sich hatte: Nämlich Kinder in Indien aus der Kinderarbeit zu befreien.

Immer wieder kam von vermeintlich „älteren“ und damit gleichzeitig „erfahreneren“ Menschen ein halbherziges „Hach ja, die Jugend mit ihren unrealistischen Träumen! Süß! Aber wartet mal, bis ihr die Welt richtig kennen gelernt habt…“ oder ein „Ach, das bringt doch nichts. Ihr solltet lieber für die Schule lernen.“ Man traute diesen Teenagern am Infostand über Kinderarbeit in Indien nicht zu, etwas verändern zu können. Man sprach es der Jugend regelrecht ab, Einfluss nehmen zu können auf Dinge, die Kilometer weit weg in einem anderen Kulturraum passierten.

Wunder gibt es immer wieder… oder wie war das?

Drei Jahre später hatten genau diese Jugendlichen, die sich über Monate mit Zuckerwatte auf jeden erdenklichen Stadtfeststand gestellt, Schmuck gebastelt, Kerzen verkauft und Flyer verteilt hatten, es geschafft, mit 15.000€ einen Brunnen in einem indischen Dorf finanziert zu haben – und dazu Führerscheine für die Jungen im Steinbruch, Materialien für Frauengruppen, den Bau einer Schule und vieles mehr. Mit einer großen Portion Mut, einer noch größeren Menge Selbstvertrauen und den starken Glauben an die Möglichkeit, etwas bewirken zu können hatte eine kleine Berliner Jugendgruppe ihr Ziel erreicht.

Zuckerwatte | aufebenholz.de
Quelle: pixabay
Visionär*innen: Achtung, wir sind viele!

Und diese Jugendgruppe ist nur ein Beispiel für Engagement und Visionen – es gibt so viele hoch motivierte, überaus engagierte, einfallsreiche und träumende Menschen, die an positive Veränderungen glauben! Es gibt sie in jung und alt und auch in diesem schönen Stadium „dazwischen“ – und sie alle verdienen Gehör.
Das sind diese Menschen, die sich trauen von ihren waghalsigen Projekten zu berichten. Es sind Menschen, die nach der täglichen Arbeit noch Newsletter vorbereiten, zu Treffen mit anderen Visionär*innen gehen oder nach einem langen Tag in der Bibliothek oder Uni daheim noch weitere Bücher wälzen, um Lösungen und Inspiration für ihr Projekt zu finden. Es sind genau solche Menschen, die mit ihrem großen Optimismus anecken können und sich vielleicht hin und wieder entmutigt und missverstanden fühlen – und es dann trotzdem auf einen neuen Versuch ankommen lassen. Wer weiß, es könnte ja klappen?

Here’s to the dreamers!

Deshalb: Ein Hoch auf die Träumer*innen und Visionär*innen dort draußen, die unser Leben so viel bunter und die Welt ein bisschen besser machen! Ohne Menschen wie sie wüssten wir heute vielleicht nicht, dass die Erde rund ist, ohne sie gäbe es eventuell keine Flugzeuge, keine Rollstühle oder Brillen. Ohne Menschen mit großen Plänen und Ideen hätten wir weniger Bücher, weniger Musik, wir hätten weniger Kultur und weniger Spaß. Und jede verrückte Idee hat doch irgendwie das Potential, umgesetzt werden zu können – wenn man bereit dazu ist, sich auf sie einzulassen und ein bisschen mutig zu sein. Und schon Albert Einstein sagte schließlich: Wenn eine Idee nicht zuerst absurd erscheint, taugt sie nichts.

Und für ein bisschen mehr Inspiration…

… und eine Portion Muchtmacherei möchte ich diesen Blogpost mit einem meiner liebsten Poetry-Slams aller Zeiten enden: Go Big, Young Friends von George Watsky. Welcher Slammer kann schon von sich behaupten, seinen Auftritt mit einem Stage-Dive beendet zu haben? Genau. Deshalb: Enjoy!

 

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